„... an den Pranger mit ihm...!“
In Dalsheim reitet der Tod - das Mittelalter kehrt zurück


Kommt man an einem schönen Nachmittag, vielleicht von einem Ausflug an die Deutsche Weinstraße die B 271 zurück, dann könnte es sein, dass man an einer Anhöhe auf halber Strecke zwischen Monsheim und Alzey das Dörfchen Dalsheim streift. Ganz bestimmt sogar, denn mit seinen wehrhaften Türmen und Mauern drängt es sich dem Ausflügler geradezu auf. Wobei das rheinhessische Örtchen, erstmals 766 als „Dagolfesheim“ erwähnt, eingebettet zwischen sanften Rebhügeln, bis vor einigen Jahren mit seinem Kleinod dahinschlummerte. Bis 1988, denn in diesem Jahr wurden die aufwendigen und sehr teuren Restaurierungsarbeiten an der Fleckenmauer, ihren schützenden Türmen und den anheimelnden Winzerhöfen fertig-gestellt. Und genau seit jenem Jahr feiert man in Dalsheim das „Fleckenmauerfest“. Allerdings nicht regelmäßig wie Marktvogt Heribert Klein berichtet, denn dann müsste man sich ja immer wieder etwas neues einfallen lassen. Aber der neu gegründete Heimatverein möchte aus dem eher „sporadisches“ Fest, mehr machen. Zumindest soll es alle zwei Jahre - vielleicht stattfinden, damit es auch seine Anreize behält. Allein die Sehenswürdigkeiten wie die Fleckenmauer aus dem 14. Jahrhundert mit den beiden Toren, dem Römer, der von beiden Kirchen umschlossene Gemeindeplatz und der Judenfriedhof der um 1500 begonnen wurde, reichen ganz und gar als Kulisse aus.



Zwar unnachgiebig aber dennoch milde zeigte sich der Ober-schultheiß von Dalsheim (VG-Chef Michael Kissel) als die hohen Herren des samstags zur Nachmittagszeit zu Gericht saßen. „... an den Pranger mit ihm...!“ war dennoch die harte aber gerechte Strafe für Weinpanscher aber auch für Dirnen. Und dies obwohl der Marktvogt am Tage zuvor in der Marktordnung explizit darauf hinwies: „... ein jeglicher solle sich wohl fühlen auf diesem Feste, Fressen und Saufen, solange der Thaler reicht, sprachs, aber auch, dass niemand zu kleines Brot oder Kuchen backe, aber auch nicht den Wein mit Wasser vermische...!“ Tja und dennoch tat’s der Übeltäter, der dafür fauliges Wasser trinken musste. Genauso traurig und „blutrünstig“ die Gerichtszene verlief, so freudig traf man sich an gleicher Stelle um ein junges Paar zu vermählen. In herrlichen Gewändern präsentierten sich Brautleute, Eltern und Gäste.
Aber was wäre das Mittelalter ohne historischen Markt und Kampfspiele ? Die Wonnegauer Ritterschaft versetzte das erschienene Volk in Angst und Schrecken als die bis an die Zähne bewaffneten Ritter in den Marktflecken einmarschierten. Säbelgerassel und Rüstungsgeknarre vernahm ein jeder allerorten. Nach dem Einzug jedoch, konnten die Händler und Handwerker weiterhin ihren Geschäften nachgehen. Das normale Leben kehrte zurück, es wurde gefeiert, Böller abgeschossen, Fanfaren ertönten, Zauberer, Bauchtänzerinnen und Hexen übernahmen das Feld.
Man wird von Dalsheim also und sicherlich wieder hören, dann, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner wieder in ihre „Kostüme“ schlüpfen und Mittelalter „spielen.“ Aber „spielen“ sie es nur, oder steht wirklich in einem der heißesten Flecken Deutschlands (im Jahresdurchschnitt weißt Dalsheim neben dem Breisgau die meisten Sonnenstunden auf) die Zeit still... ?