Wormser Backfischfest
- größtes Volksfest am Rhein






Wenn sich der August, und somit auch der Sommer, seinem Ende neigt, steigt bei den Wormserinnen und Wormsern das Stimmungsbarometer.
Alljährlich lockt das Fest der Wormser Feste viele aus ihren fernen Domizilen und „Exilen“ in die Heimatstadt, um das Neun-Tage-Fest mit Verwandten, Bekannten und Schulfreunden, denn die trifft man auf dem Backfischfest immer, gebührend zu feiern.
Wo sich mittelalterliche Fischertradition und Gegenwart auf fröhliche, originelle u. harmonische Weise verbinden, herrscht eine Begeisterung, die sich von Generation zu Generation weitervererbt hat.
Dss das Wormser Backfischfest nicht nur bei den Ein-heimischen einen sehr hohen Stellenwert einnimmt, sondern dass es auch weit über die Stadt- u. Landesgrenzen hinaus gleichermaßen bekannt und beliebt ist, belegen die Besucherzahlen, die sich zwischen 600 000 und 700 000 ein-gependelt haben. Inzwischen ist das Backfischfest, dessen Ursprung auf frühere Fischerfeste, die in der Nibelungen-stadt von der ältesten Rheinfischerzunft Deutschlands, deren Gründungsjahr auf 1106 n. Chr. zurückgeht, gefeiert wurden, zum größten Wein- und Volksfest am Rhein geworden. Während der Festtage ertönt daher überall in der Stadt der bei Seefahrern, Binnenschiffern und Fischern übliche Gruß „Ahoi!“




Mit der Aufführung des aus dem Jahre 1483 stammenden Wormser Gesellentanzes sowie der anschließenden Amtsübergabe des Oberbürgermeisters an die Repräsentanten der alten Fischerzunft wird samstags vor dem Rathaus der alten Domstadt das traditionelle Backfischfest eröffnet.
16 Zunftgesellen, ein Hauptmann mit dem Meisterbecher in der Hand als Vortänzer sowie ein Fahnenschwinger mit der zwei Meter großen Stadtflagge, alle in den Stadtfarben rot-weiß gekleidet, sind die Ausführenden des Tanzes, die nach der ebenfalls aus dem Mittelalter überlieferten Melodie des Wormser Stadtpfeifermarsches ihr „Rädlein“ bilden.
Chroniken aus dem 16. u. 17. Jahrhundert besagen, dass Wormser Fischer vor Durchführung ihrer damals schon recht lustigen Feste beim Bürgermeister u. dem Rat der Stadt um Bewilligung der Veranstaltung nachsuchten und dieser Bitte durch ein Geschenk von schmackhaften Fischen Nachdruck verliehen. Und so wird auch heute noch dem Oberbürgermeister nach einem heiteren Dialog mit dem „Bojemääschter vun de Fischerwääd“ und einem Küsschen der Backfischbraut eine appetitlich garnierte Fischplatte präsentiert, nach deren Überreichung das Stadtoberhaupt die erbetene Erlaubnis zur Feier des größten Wormser Volksfestes nicht versagen kann. Mehr noch, auch die Amtsübergabe, symbolisch durch die Überreichnung von Schlüssel und Kette dargestellt, werden für 9 Tage an den besagten „Bojemääschter“ übergeben.



Die Tanzgruppen diverser Vereine, Schulen und Tanzschulen bringen mit ihren Darbietungen moderne Elemente in die Eröffnungszeremonie, wobei dies von Jahr zu Jahr variiert. Variationsreich ist auch der Abschluss der feierlichen Eröffnung. So kommen manchmal Kanonenschüsse „zum Einsatz“ und seit nunmehr über 10 Jahren eine „spritzige Nummer“. Von Gymnasiasten des Gauß-Gymnasiums wird der „Tanz der Wormser Lederarbeiter“
- Worms war um die Jahrhundertwende die bekannteste lederverarbeitende Stadt Deutschlands - dargeboten.
Dieser gipfelt im „Ausschlagen“ des Wassers aus den getränkten Lederschürzen. Und somit wird wieder das Altüberlieferte mit dem Modernen gepaart.
Viele Wein-, Traubenblüten-, Gurken- und Kerwemajestäten mit ihren Prinzessinnen, darunter auch Miß Backfisch USA, erweisen durch ihr Erscheinen und ihre Teilnahme, die oft mit Grußworten bekleidet werden, dem Fest und der Stadt ihre Referenz. Und was den „Hoheiten“ recht ist, ist dem jeweiligen „Landesvater“ billig. Denn sowohl Rudolf Scharping wie auch Kurt Beck nahmen als rheinland-pfälzische Ministerpräsidenten daran teil. Andere Politgrößen wie Florian Gerster und Walter Zuber stehen ebenfalls nicht nach und finden sich zu irgend einem Anlass zum heiteren, beschwingten Backfischfest-Treiben ein.











100.000... und mehr säumen die Straßen
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Absoluter Höhepunkt des Neun-Tage-Festes ist der sonntags stattfindende große internationale Umzug durch die Innenstadt. Weit über 100 Fest-wagen und andere rollende Beiträge sowie Musik- u. Trachtengruppen aus dem In- u. Ausland nehmen immer wieder gerne an diesem Umzug, der unter dem Motto „Backfisch-Parade“ steht, teil.
100 000 Schaulustige - oder auch mehr - drängen sich entlang des Zug-weges, um den über fünf Kilometer langen „Lindwurm“ zu verfolgen. Backfische im Himmel wie auf Erden, im Wasser wie zu Lande aktiv, auf Wein oder Bier spezialisiert, winken, tanzen, rollen, radeln und reiten, ihr „Ahoi“ rufend, durch die ihnen zujubelnde Stadt. Traditionell und brauch-tumsgemäß kommt das Fanfarencorps der Nibelungenstadt, die histor-ischen Fahnenschwinger, der Motivwagen mit dem Backfischfest-Wahr-zeichen, dem rot-weißen Herz mit Fisch, und „de Bojemääschter vun de Fischerwääd“ mit Backfischbraut daher. Immer wieder ist es erstaunlich, dass so viele junge Leute den eigenen Spaß an der Freud’ demonstrieren und andere in ihren Bann ziehen. Mittlerweile überträgt der „Offene Kanal Worms“ das fast zweistündige Spektakulum in alle verkabelten Wormser Wohnstuben, und zwar „live !“





Rummel und Jahrmarkt zu allen Jahrhunderten

Den Mittelpunkt des backfischfestlichen Geschehens bildet ein abwechs-lungsreich gestalteter Vergnügungspark auf der Kisselwiese. Er übt seit jeher mit seinem Angebot an modernen und nostalgischen Fahrge-schäften, Losbuden und Glücksständen magnetische Anziehungskraft auf groß und klein aus. Kein geringerer als Kasper Hauser-Darsteller, André Eisermann, entstammt einer Wormser Schaustellerfamilie. Großeltern wie Eltern waren und sind immer mit eigenem Stand vertreten.
Mit 15000 m² im Karree angeordneter, bestellter Fläche hat er sein ihm eigenes unnachahmliches Flair entwickelt. Der Rummelplatz ist über-schaubar geblieben, so dass man alles Wesentliche - zumindest optisch - in einer Stunde in sich aufnehmen und genießen kann. Circa 90 - aus über 700 ausgesuchten - Geschäften unterschiedlichster Art sind auf einer Länge von etwa einem Kilometer angesiedelt, um für jeden etwas zu bieten. So werden alljährlich Weltneuheiten ob „Salto Mortale“ und „Sound Factory“ geboten. Die „Große Geisterschlange“, Wildwasserbahn, Pirateninsel, „Super Mario World“ (ein Irrgarten) und natürlich die von altersher beliebten Karussells und Scooters. Vom Riesenrad, dem 45 Meter hohen „Europarad“ genießt der Fahrgast außerdem einen herrlichen Blick auf die Rheinbrücke, den Dom, die Liebfrauenkirche. Statisches wie dyna-misches ist eben in Worms angesagt - wohl nicht nur auf dem Rummel !?

Altes und Neues verbindet sich beim Backfischfest
zu einer festen Einheit
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Wasser und Fisch sind natürlich immer und überall auf dem Backfischfest gegenwärtig. Ob Lachsbrötchen oder knuspriger Backfisch, der alljährlich zu Backfischfestzeiten absolute Hochkonjunktur erlebt und zur Back-fischfest-Entstehungszeit, in 1933, noch in den benachbarten Rheinfluten gefangen wurde, werden gerne verzehrt. Insider schätzen so circa sieben Tonnen, darunter auch opulentere Schlemmermahle von Forelle, Meran, Barsch, Rotauge, Zander und Blaufelchen. Aber auch andere Köstlich-keiten, ob Appetithappen für zwischendurch, der aus Gyros, Pizza, Reibe-kuchen oder Deftigem vom Schwarzwaldhaus bestehen kann, finden reißenden Absatz. Ebenso wie die heimischen Sekte und Weine, die in ambientenreicher Halle gereicht werden.
Aber selbstverständlich findet man hier auch das volksfestübliche Maß Bier ! An allen Backfischfesttagen finden darüber hinaus immer inter-essante, musikalische wie auch lustige Veranstaltungen statt. Im Fest eingebettet ist auch die Kerb der Fischerwääder. Keine Frage, an diesem Mittwoch „tanzt wahrhaft der Bär“ im Viertel der alten Zunft.

Lustig und vor allem nass geht es auch am letzten Tag des bunten Treibens, dem Abschlusssonntag, zu. Hier jagen sich nochmals die Programmhöhepunkte. Während man sich am ersten Backfisch-festsonntag, ganz früh, in der „Fischerwääd“ trifft um musikalischen und tänzerischen Auftitten von heimischen wie auswärtigen Formationen zu zuhören und zu zusehen wird es eine Woche später sportlich. Am Morgen dann heißt es an der Rheinpromenade „Rad statt Auto“. Ein Programmteil, der erst seit kurzem Einzug ins traditionelle Backfischfestgeschehen gehalten hat. Sparkasse u. Stadtsportverband zeichnen hierfür verantwortlich. Mittags dann folgt im Floßhafen das ebenfalls aus mittelalterlichen Fischerzeiten stammende Fischerstechen. Dabei treffen jeweils zwei „Stecher“ aufeinander. Die Teilnehmer stehen auf kleinen Platt-formen, die über dem Bug der meist flachen Kähne montiert sind. Sieger ist, wer das Duell trocken übersteht und seinen Gegner mit der drei Meter langen, stumpfen Lanze in die Rheinfluten befördern konnte.
Wobei strenge Regeln beachtet werden müssen. Zu den bekanntesten Fischerstechen zählen neben dem in Worms, das Ulmer, das nachweislich die schönste Tradition aufweist, aber auch jene in Würzburg, Schweinfurt, Frankfurt und Bad Kreuznach. Der Brauch ist Erbe spätmittelalterlicher Bürger- und Zunftturniere, die aber damals in Folge ihrer agonalen Ausrichtung häufig in der Fastnachtszeit stattfanden.




Während in Worms der „Kampf“ von Bauer und Bäuerin eröffnet wird, ist es beispielsweise in Ulm der Narr. Die Wormser Stecher treten in den Farben ihrer Vereine und Verbände an. Andernorts ist man der Überlieferung teilweise etwas näher, denn die Kampfpaare bringen historisierende Elemente mit ein. So treten Faust gegen Mephisto, Ratsherr gegen Kuhhirte, Karl V. gegen Moritz von Sachsen an.







Am Abend folgt dann als wirklich krönender Abschluss das Höhenfeuer-werk, das großzügige Sponsoren der Stadt, ihren Bewohnern und den vielen Gästen stiften. Die ausgebrannten und verglühten Raketen versinken dann in den nächtlichen Rheinwogen, so wie einst der Schatz der
Nibelungen durch Hagen von Tronje’s Tat. Aber auch so wie das Backfischfest selbst, dessen Planung für’s nächste Jahr dann schon längst begonnen hat...