... vom Wein und frommen Pilgern
Bechtheim zwischen Mainz und Rom




Ob seiner großzügigen Rebflächen, die fast die Hälfte der ganzen Gemarkung einnehmen, war Bechtheim bereits im 8. Jahrhundert weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Der besondere Stolz des Örtchens Beraheim, aber ist die dreischiffige Lambertus-Basilika, die ihrerseits aus dem frühen 11. Jahrhundert stammt und als „Kleinod des Wonnegaus“ einst eine bedeutende Wallfahrtskirche war. Die wohl auch ihre Berühmtheit der exponierten Lage zwischen Mainz u. Rom, und somit inmitten des „Pilgerpfades“ lag, verdankt.
Noch heute sind Lambertus und der Pilgerpfad in Bechtheim ein Thema.
Alljährlich in der zweiten Septemberwoche ist es mit dem „Feste feiern“ soweit. Ursprünglich hatten die Winzer in den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg ein Winzerfest mit Umzug ausgerichtet. Doch - damals wie heute - spielte das „liebe Geld“ eine Rolle. Man (Winzer und Gemeinde) hatten am Ende „draufgelegt“. Und so wechselte das Winzerfest von Bechtheim nach Osthofen, das es dankbar aufnahm und es zu einem großen, bekannten Brauchtumsfest - was es heute noch ist - auf- und ausbaute.
In Bechtheim entstand der „Bechtheimer Markt“. Aber auch ihm war das gleiche Schicksal beschieden. Er „schlief“ ein. 1980 aber schlug dann die Gunst der Stunde, das „Weinfest am Pilgerpfad zum Bechtheimer Markt“ wurde von Hans-Herrmann Buscher, seinerzeit Bürgermeister und Heimatvereinsvorsitzender, kreiert. War es zunächst das „übliche“, die Krönung der Weinmajestäten, so kam 1985 der Weinpilger hinzu.
Heute ist es nun eine „runde Sache“. Freitags findet die Inthronisation statt und samstags die Proklamation des Weinpilgers mit anschließender Weinwanderung, an der mittlerweile weit über 1000 „Lauf- und Trinkfreudige“ teilnehmen.


Buscher hatte die Idee, dass es sich bei dem Weinpilger um eine „öffentliche Persönlichkeit“ handeln sollte, denn „die zieht“ Publikum an. Schaut man sich die Stocknägel auf dem Pilgerstab genauer an, so findet man häufig oder gar fast ausschließlich Politiker als Weinpilger. Da stellt sich doch zwangsläufig die - natürlich nur rethorisch gemeinte Frage _: ist diese Spezies dem edlen Tropfen besonders zugetan ? Buscher aber begründet diese Tatsache lapidar: „... die kosten nichts..., ein Sportler oder Künstler möchte immer eine Gage. So kann man denn bekannte Politiker wie Hanne Laurien, Manfred Ruge, Florian Gerster, Bernd Schmidbauer oder Hansjürgen Doss finden. Aber auch Eberhard Pilz, seines Zeichens Journalist; ein medienbekannter Nachrichtenmann des ZDF.

Einen weiteren Star konnte Buscher „verpflichten“, Theo Gärtner, der seit vielen, vielen Jahren als sympathischer Detektiv Matula durch Frankfurt und über unsere Bildschirme huscht. Und obwohl der Bechtheimer Heimatvereinsvorsitzende meinte: „Ja, wir wollen es nun doch wagen, etwas von den Politikern Abstand zu nehmen...“, klappte dies im Jahre 2000 wiederum nicht, denn mit Rainer-Hans Vollmöller kehrten die Bechtheimer zu den Politikern zurück. Vollmöller ist Bürgermeister der Kreisstadt Lauterbach in Oberhessen; eine Partnerstadt des sonnigen Bechtheim.
Wer allerdings 2001 Weinpilger wird, verraten die Winzer erst kurz vor dem Fest .
Bechtheim hat mit diesem Fest die „Nische“ im südlichen Rheinhessen gefunden und ein Fest von besonderem Charme geschaffen.