Dreikönigsdreschen in Westhofen


Das Jahr beginnt gut: haut drauf Jungs und Mädels









Ich, Sabine II., Traubenblütenkönigin von Westhofen, Schirmherrin des Dreikönigsdreschens tue hiermit kund und zu wissen allen Dreschern, ihren Helfern und Helfershelfern, dem Richterkollegium und den Dreschärzten, den Gespannführern, Bütteln und Fleckenspießträgern, den Trollschoppen- und Staub-weinschluckern, den Freunden bäuerlichen Brauchtums, und allen, die es wissen müssen oder wissen sollen, dass ich es im Einvernehmen mit meinen königlichen Dreschräten für gut befunden habe, das Westhofener Dreikönigsdreschen am Sonntag, den 7. Januar durchführen zu lassen. So verkündete es Ihre Majestät und so geschah es.




Um die Mittagsessenszeit finden sich sodann alle Beteiligten zur Abholung des Erntewagens im Weingut Julius Grünewald, seines Zeichens auch „süffisanter“ und beschlagener Vorsitzender des Heimatvereins, in der Osthofener Straße ein. In geordneter Formation zieht dann der mittelalterlich anmutende Tross zum „Churpfälzischen Zehntkeller“ im Weingut J.G. Orb, wo sich allerlei Volk eingefunden hat. Das selbige wird begrüßt sowie ein Zermonienmeister durch die Traubenblütenkönigin berufen. Dieser nimmt sodann die Eröffnungszermonie mit der Vereidigung der Dreschräte und des Arztes vor. Die Mannschaften werden vor- und die Uhren eingestellt, denn Anschlagen und Abschlagen müssen exakt und sekundengenau eingehalten werden. Keine leichte Aufgabe für das Kollegium. Damen und Herren sind zugelassen; eben alles was irgendwie einen Dreschflegel einigermaßen schwingen kann. Selbst Amerikaner und Russen, alle sind willkommen.



Hans-Werner Bals


Aufgeheitert und kommentiert wird das Spektakulum, das natürlich mittelalterlichen Ursprungs ist, von Hans-Werner Balz, der ansonsten auch die Geschicke des Ortes als Bürgermeister lenkt. In unvergleichlichem Outfit ist er, nicht schmächtig an Gestalt, immer wieder eine Augenweide. Hans-Werner Dürkes, Denker, Dichter und Poet, trägt immer wieder gerne Gedichte, gereimt oder in Prosa vor, bis dann der Hahnenschlag erfolgt.




Ein in „grauer Vorzeit“ blutiges Treiben. Hierzu werden dem Drescher die Augen verbunden. „Blind“ schlägt er also auf das darniederliegende Stroh ein, in der Hoffnung, dass er den Hahn trifft, den er sodann sein eigenen nennen kann. Heute allerdings sind es Tonscherben. Der Hahn zum mitnehmen ist allerdings echt geblieben.
Nach gut zwei Stunden stehen dann die Sieger fest. Damen, Herren zu Dreier- oder Vierermannschaften. Sie erhalten den begehrten Staubweinhumpen.
Das „Westhofener Dreikönigsdreschen“ das 2001 bereits zum 18. Male ausgetragen wurde, ist die erste Veranstaltung im Jahreszyklus im Bundesland überhaupt. Selbstverständlich, dass sich für diese Brauchtumspflege auch die „Weltpresse“ (zumindest Nibelungen Kurier, Wochenblatt, Wormser Zeitung und sogar die „dpa“) interessieren. Ständiger Gast ist auch der Südwestrund-funk, der ab und an ein „Special“ dreht und dieses sogar sendet.